Was ist Schönheit? Über Überraschung, Eleganz und warum guter Geschmack kein Privileg ist

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Es gibt Objekte, an denen man nicht vorbeigeht.

Nicht, weil sie gross wären. Nicht, weil sie laut wären. Sondern weil etwas an ihnen den Blick festhält – eine Proportion, die stimmt. Eine Oberfläche, die mehr erzählt als ihre reine Materie. Eine Form, die so wirkt, als hätte sie nie anders sein können.

Was in diesem Moment passiert, nennen wir Schönheitserfahrung. Aber was sie auslöst, ist schwerer zu fassen als das Wort vermuten lässt.

Lässt sich wahre Schönheit definieren?

Der amerikanische Designer und Strategiedenker Marty Neumeier hat Schönheit auf eine hochinteressante Weise definiert: als Eigenschaft der Ganzheit oder Harmonie, die Freude, Bedeutung oder Zufriedenheit erzeugt.

Was sofort auffällt: Schönheit ist keine Eigenschaft des Objekts allein. Sie entsteht im Zusammentreffen von Objekt und Betrachter. Sie ist ein Ereignis, keine Substanz.

Neumeier identifiziert drei Bestandteile, ohne die echte Schönheit nicht entsteht: Überraschung, Richtigkeit und Eleganz.

1) Überraschung

Alles, was wir als wirklich schön empfinden, enthält einen Moment der Überraschung. Etwas Unerwartetes, das im nächsten Moment als vollkommen richtig erscheint. Ohne dieses Überraschungsmoment gibt es nichts Neues. Ohne Neues kein Interesse. Ohne Interesse keine Schönheit.

Aber Überraschung allein reicht nicht. Was den Unterschied zwischen einem Objekt, das kurz gefällt, und einem, das bleibt, ausmacht, ist Einprägsamkeit. Und Einprägsamkeit entsteht fast immer durch plötzliche Emotion, das stille Aufleuchten des Erkennens. Physiologisch ist es ein Serotoninschub. Ästhetisch ist es der Moment, in dem ein Objekt aufhört, bloss angenehm zu sein, und anfängt, Bedeutung zu erlangen.

Neben der Überraschung nennt der Designer und Strategiedenker Marty Neumeier zwei weitere Bedingungen: Richtigkeit und Eleganz.

 

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2) Richtigkeit

Richtigkeit ist keine Perfektion im geometrischen Sinn, sondern Stimmigkeit, die Übereinstimmung eines Objekts mit seinem Zweck. Der Möbeldesigner Charles Eames nannte es „Way-it-should-be-ness“ – das Gefühl, dass ein Ding nicht anders sein könnte als es ist. Nicht perfekt im mathematischen Sinn. Sondern in Einklang mit seinem Zweck und seiner Umgebung.

Eine Karaffe, die beim Eingiessen tropft, hat Richtigkeit verfehlt – ungeachtet ihrer Form. Ein Ring, der sich gut anfühlt und dabei wahre Bedeutung trägt, hat Richtigkeit erreicht.

Richtigkeit ist der Grund, warum manche Dinge nach Jahren noch funktionieren, während andere, die beim Kauf schön aussahen, nach kurzer Zeit verschleissen.

 

3) Eleganz

Das am häufigsten missverstandene der drei Prinzipien.

Eleganz bedeutet nicht Luxus. Nicht Überladenheit. Nicht die teuerste Version einer Sache.

Eleganz bedeutet das Gegenteil: die Ablehnung des Überflüssigen. Die Mindestanzahl an Elementen, die es braucht, damit das Ganze seinen Zweck erfüllt. Nichts fehlt. Nichts ist zu viel.

Ein elegantes Kleid ist nach dieser Definition nicht das aufwendigste, sondern das einfachste, das seinen Zweck vollständig erfüllt. Ein eleganter Satz enthält kein Wort zu viel. Ein elegantes Schmuckstück hat nichts, das entfernt werden könnte, ohne dass etwas Wesentliches verloren ginge.

Fehlt Richtigkeit und Eleganz, entsteht das, was Neumeier Kitsch nennt: Überraschung ohne Substanz. Objekte, die kurz gefallen und dann den Weg in den Keller finden, weil der ursprüngliche Reiz verblasst ist. Kitsch kann durchaus Charme haben – aber er hält nicht lange.

Schönheit ist also kein Zufall und kein Privileg des Talents. Sie ist das Zusammentreffen von drei Bedingungen, die sich gegenseitig brauchen. Fehlt eine, bleibt das Ergebnis hinter dem zurück, was möglich wäre.

Das Geheimnis des guten Geschmacks

Viele Menschen glauben, guter Geschmack sei angeboren. Ein Talent, das man hat oder nicht hat.

Das stimmt nicht – und es ist eine wichtige Unterscheidung.

Guter Geschmack beruht gewissermassen auf Bildung. Nicht im Sinne von Institutionen oder Titeln, sondern im ursprünglichen Sinn: etwas, das durch Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung entsteht.

Der Psychologe Howard Gardner beschreibt es so: Alle jungen Menschen entwickeln ästhetische Vorlieben. Aber nur jene, die mit einer Bandbreite von Kunstwerken in Berührung kommen, die beobachten wie diese entstehen, die etwas über den Menschen dahinter verstehen – und die auf nachdenkliche Diskussionen über Handwerk und Geschmack treffen – werden wahrscheinlich einen ästhetischen Sinn entwickeln, der über das Populäre des Moments hinausgeht.

Guter Geschmack, so Gardner, wird durch bewusste Anstrengung erlernt.

Das klingt anspruchsvoll. Es ist aber vor allem eine Einladung.

Wer beginnt, Objekte nicht nur nach dem ersten Eindruck, sondern nach ihren formalen Qualitäten zu betrachten, öffnet sich einem anderen Erleben. Man beginnt zu sehen, warum manche Dinge halten und andere nicht. Warum manche Räume Ruhe schenken und andere unruhig machen, ohne dass man sagen kann warum. Warum manche Schmuckstücke nach zwanzig Jahren noch so wirken wie am ersten Tag.

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RETINA®-Schmuck, Richtigkeit und Eleganz

Die Richtigkeit folgt aus demselben Gedanken. Wertvoller Schmuck im immateriellen Sinne trägt Bedeutung in sich. Er ist nicht Dekoration um ihrer selbst willen. Der RETINA®Code bringt das Innerste nach aussen, ohne es zu verfremden. Er fügt dem Objekt nichts Fremdes hinzu, er macht sichtbar, was ohnehin da ist. Das ist way-it-should-be-ness in ihrer reinsten Form.

Die Eleganz schliesslich liegt in der Form selbst: verzweigte, organische Linien, die keine überflüssige Geste kennen. Keine hinzugefügte Ornamentik, keine symbolische Behauptung, die von aussen kommt. Nur das Muster, in Gold. Und darin liegt eine Stille, die man in einem Fingerabdruck nicht findet und in einer Koordinate nicht suchen kann.

Personalisierung allein schafft keine Schönheit. Sie schafft Bedeutung. Aber wenn Personalisierung von einem internen Faktor ausgeht, der weder kopiert noch wiederholt werden kann, dann entsteht etwas anderes: eine Form von Assoziation, die Neumeiers stärksten Bestimmungsgrund von Schönheit aktiviert, und gleichzeitig die Bedingungen erfüllt, die dafür sorgen, dass diese Schönheit nicht verblasst, wenn die erste Überraschung vorbei ist.